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Spart sich Oldenburg selbst weg?

7. Tagung der 46. Synode - Frühjahrssynode 2005

 

Die Steuerungsgruppe nimmt Kurs auf...

Es wird endlich konkret. Nachdem auf der letzten Frühjahrssynode das „grüne Papier“, der 43-Seiten starke Bericht der damaligen Perspektivgruppe „Volkskirche bleiben. Weiterentwicklung der Perspektiven für die Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“ mehr oder weniger verworfen worden war, weil er „ein Meinungsbild von erkennbar begrenzter Bedeutung“ war, in dessen Ergebnissen die Synode keine Instrumente für die Beurteilung der Notwendigkeit oder der Qualität kirchlicher Handlungsfelder sah, wurde ja die Steuerungsgruppe ins Leben gerufen. Dem grünem Papier ereilte vermutlich das gleiche Schicksal, „ein archivarisches Dasein zu führen“, wie zuvor dem „weißen“ und dem „gelben“ Papier (siehe dazu d. Bericht von der Frühjahrssynode 2004). Nun legte der Synodale Qualmann im Namen der Steuerungsgruppe vier Tendenzbeschlüsse vor, die den weiteren Kurs festlegen sollten. Dabei handelte es sich nach eigenen Angaben um Strukturanpassungen, um angemessener arbeiten zu können, nicht um Reformen der Kirche, diese hätten geistgewirkt ihren Ursprung höheren Ortes. Die Steuerungsgruppe wünschte sich eine kritische Auseinandersetzung und Pfr. Qualmann betonte: „Heute müssen vorläufige Entscheidungen getroffen werden.“ An dieser Stelle klingt noch die Mahnung von OKR Schrader im Ohr: „Je länger Entscheidungen hinausgeschoben werden, desto teurer wird es.“ Zur Eingabe der Tendenzbeschlüsse hieß es weiter: „Die Kirche wird sich nur bewegen, wenn wir uns gemeinsam bewegen und in eine Richtung kommen.“

Dabei wurde von Qualmann unterstrichen, dass Kirchliche Werke kein Plunder, Alotrier oder Luxus seien, sondern man müsse immer bedenken, dass diese zu 80% den Gemeinden zugute kämen. Während die vielseitige Bandbreite neben einem reinen Kasualiendienstleister verteidigt wurde, kam Gottes Bodenpersonal nicht so gut davon, so dass sich sogar Herr Kögel von der EZ genötigt sah, eine „menschenverachtende Sprache im Raum der Kirche“ (EZ, Stich-Wort, 12.06.05) zu kritisieren und fuhr fort: „Wenn die Kirche am Menschen sparen will, spart sie sich kaputt“. Nun lässt sich sicherlich darüber streiten, ob nun sparen, streichen oder kürzen das Selbe oder Unterschiedliches meine oder falsche Hoffnungen wecke. Festzuhalten bleibt doch, dass ein sorgsamer Umgang mit Rücklagen und Ressourcen auch verantwortungsvoll erscheint, wenn er mehr oder weniger frühzeitig mit Überlegungen kombiniert wird, wie man effektiver arbeiten kann: Sparen kann auch heißen, aus Weniger Mehr zu machen! Das Brotvermehrungswunder, wie es z.B. Mt 14,15 beschreibt, ist ja kein einmaliges irgendwo in der fernen Historie liegende Ereignis.

Aber da ist es schon auffälliger, dass in allen Tendenzbeschlüssen nur vom Reduzieren und Reagieren die Rede ist. An keiner Stelle ist auch nur der Ansatz klar zu erkennen, konkrete Ideen zu entwickeln, die Zahl der Kirchensteuerzahler zu erhöhen. Es mag nun sicherlich so klingen, als würde ich den Missionsauftrag nun auch noch als wirtschaftlichen Faktor „verkaufen“ wollen. Aber was ich eigentlich kritisch anmerken möchte, ist dass der missionarische Impuls die frohe Botschaft zu verbreiten allen Anschein der Beschäftigung um sich selbst – seien es nun Verwaltungsreformen oder Finanzierungskonzepte – zum Opfer gefallen ist. Anstatt den Mangel zu verwalten und zu reagieren, sollten wir als Kirche wieder stärker agieren. Ich fand es schon merkwürdig, dass nach den vielen Perspektivpapieren und der bisherigen Arbeit der Steuerungsgruppe der Impuls, sich stärker mit Gemeindewachstum- und Gemeindeaufbaukonzepten zu beschäftigen, von einem Studentischen Beobachter ausgehen musste. Und es ist ja nicht so, dass das Rad völlig neu und kosten- oder zeitaufwendig erfunden werden müsste: An Konzepten von Erwachsenenbildung, Glaubenskursen o.ä. mangelt es ja nun wirklich nicht. Dass nun gar keiner diese Sicht nachvollziehen kann, darf man allerdings auch nicht behaupten – und so wurde aus einer möglichen Tischvorlage kurzer Hand ein Initiativantrag, der mit den nötigen Unterzeichnenden und Stimmen dann schließlich im Ausschuss für Gemeindedienst und Seelsorge landete. Nun bleibt nur noch zu hoffen, dass aus der Idee sich verstärkt mit Gemeindewachstumskonzepten zu beschäftigen auch etwas fruchtbares wächst.

Der kritische Blick mit den sorgenbehafteten Fragen nach Alternativen für die Zukunft fand sich unter einigen Synodalen auch während der Gruppenarbeiten wieder. In diesen beschäftigte sich nämlich die 7. Tagung der 46. Synode vom 2.-3. Juni ´05 intensiv mit den vier vorgelegten Tendenzbeschlüssen. An dieser Stelle darf man vielleicht als Beobachter auch noch kurz erwähnen, dass es die ersten Gruppenarbeiten während einer Synodaltagung waren, deren Ergebnisse nicht einfach nur auf einem Flipchart-Papier dokumentiert wurden (und dann allen Anschein nach sang- und klanglos wieder verschwanden), sondern die als Überarbeitung der Tendenzbeschlüsse nun hoffentlich tatsächliche Konsequenzen für die zukünftige Arbeit unserer Kirche haben dürften. Es geht also weiter! Es gibt zwar einiges an skeptische  Argumenten gegen ehrenamtliche Geschäftsleitungen im GKR und kritische Fragen nach der Haftung und Kontinuität. Es wird um den idealen Rahmen und gerungen und einige der Vordenker wie Pfr. Gräbe wünschen sich sogar den Globalhaushalt für Kirchengemeinden, um innovative Ansätze zu fördern. Und während man sich in der Gruppe I zur Strukturierung der Arbeit auf Gemeindeebene recht schnell einig war, dass es kein allgemeingültiges Musterkonzept geben könne, sondern dieses immer auf die Gegebenheiten vor Ort angepasst werden müsse, so war die Auseinandersetzung um die Verwaltungsreform sicherlich ebenso spannungsgeladen. Zumindest hat man erkannt, dass die Verwaltung nur eine dienende Funktion hat und nicht nota ecclesia ist.

Die Herausforderungen bleiben – denn so hielt Pfr. Harrack fest: Es wird in Zukunft immer weniger PfarrerInnen in den Gemeinden geben, wonach Dr. Thierfeld aus dem Synodenpräsidium nicht müde wird sich stets dafür einzusetzen, dass es verstärkt auch darum gehen müsse, die Potentiale in dem Gemeinden vor Ort zu entdecken, zu wecken und zu fördern.

Wie und in welchen Formen sich Ehrenamtliche schon jetzt in der Kirche einbringen und welche Chancen, Gefahren oder Risiken eine Kirche der Ehrenamtlichen hat bzw. welche Vorraussetzungen sie bräuchte wollen wir ja auch auf der nächsten Tagung der Oldenburger Theologiestudierende in Ahlhorn betrachten und diskutieren.

 

Wie auch immer die Struktur unserer Kirche in Oldenburg aussehen wird, es wird sicherlich weitergehen, wenn man sich mit der nötigen Portion Gottvertrauen auf die eigentlichen Aufgaben und Zielen der Kirche besinnt und Gott für „die seinen sorgen“ lässt. Und so lässt sich auch schwer beurteilen, ob das rasche „Durchwinken“ der Entwürfe  zur Änderung der EKD-Grundordnung und die Ratifizierungen der Verträge mit der UEK und der VELKD nun ein naiven Desinteresse an das Kirchenleben über den eigenen Tellerrand hinaus darstellt oder schon ein Stückweit „naives“ Gottvertrauen, dass es nach Bonhoeffer schon werden wird was da kommen mag, „denn Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

 

Soweit erst mal der schriftliche Bericht

 

Stefan Bölts