Stefan Boelts - Saturday, 19. May 2012
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„Ring frei für die nächste Runde“

11. Tagung der 46. Synode - Frühjahrssynode 2007

 

„Die Kirche lebt nicht von Strukturen, aber sie lebt in Strukturen, die so gestaltet werden müssen, dass allen Menschen das Evangelium verstehbar und verständlich (also in ihre jeweilige Lebens- und Sozialwelt) nahe gebracht werden kann. Sie lebt dann in ihrer Tradition, wenn sie den Mut hat, diese jeweils neu auszulegen und zu bezeugen.“ Mit dieser Feststellung schloss der inzwischen aus seinem Amt ausgeschiedene Pfarrer Dieter Qualmann seinen Rückblick über die arbeitsintensive und mitunter diskussionsreiche Zeit in der Steuerungsgruppe ab. Damit von den bisherigen Ergebnissen und Errungenschaften auch ja nichts verloren geht, haben alle Synodalen noch einmal eine Zusammenstellung aller Beschlüsse erhalten: 4 Tendenzbeschlüsse und elf zugestimmten Beschlussvorlagen, um nicht abschließend den im letzten Herbst abgestimmten Rahmenbeschluss zur Verwaltungsstruktur zu vergessen, dessen Debatte schon „kirchlich-biblische Zeit in Anspruch genommen“ hat, wie der neue juristische Oberkirchenrat Wolfram Friedrichs feststellte. Neben der Umsetzung der Verwaltungsstruktur stehen zeitnah vor allem noch die Themen „Ehrenamtlichkeit“, „Tagungshäuser“ und die neue Schlüsselzuweisung an. Erkennbar ist, betonte Pfr. Qualmann in seinem Abschlussbericht, dass „schon in wenigen Jahren“ in Blick auf die Kooperation von Landeskirchen, den parochialen und funktionalen Strukturen sowie der Finanzierungssystem weitergehende Lösungen gesucht werden müssen. Und das magische Jahr 2010, bis zu dem die von der Steuerungsgruppe angestrebten Einsparungen erzielt werden sollen, ist ja nun auch schon in drei Jahren. Aber immerhin: „Wir sind die heute möglichen Schritte verantwortlich in eine, wie wir denken, richtige Richtung gegangen...“ Und für diese engagierte Leistung gab es dann für Herrn Qualmann auch großen Applaus von der Synode und einen großen Präsentkorb von dessen Präsidenten.

Qu: http://www.nikodemus.net/0130

Zu berichten gab es auf der 11. Tagung noch mehr, denn routinemäßig mussten die Mitglieder des Oberkirchenratskollegiums vor der Synode Rechnung ablegen und sodann Rede und Antwort stehen. Und so konnten wir von Frau Dr. Albrecht erfahren, dass der Altersdurchschnitt der Pfarrerschaft 47,29 Jahre beträgt, das Einstiegsalter in diesen Professionsstand bei etwa „33 plus“. „Wir haben also auch viele junge Pfarrerinnen und Pfarrer“, bekräftige die „Personalchefin“, allerdings sind in Oldenburg nur ca. 30% der Pastores Frauen. Die Prokopfzahl der Gemeindeglieder je Pfarrer liegt bei 2145 Gliedern (gerechnet auf eine 100% Pfarrstelle). Von tröpfelnden Studierendenzahlen wusste Professor Pohlmann anschließend zu berichten, da die Zahl der Theologiestudierenden EKD-weit erheblich zurückgegangen ist. Doch während in anderen Gliedkirchen wieder ein Anstieg festzustellen sei, hält sich die Zahl der Oldenburger Studienanfänger „gegenwärtig konstant auf einen niedrigen Niveau von ca. 2 Studierenden pro Jahr. [...] Um weiterhin einen gesunden Altersaufbau der Oldenburgischen Pastorenschaft zu sichern, wird im Herbst diesen Jahres wieder eine Werbetagung für das Theologiestudium (Pfarramt und Lehramt) stattfinden.“ 
Als „einen weiteren Baustein erfolgreicher Kooperationen“ innerhalb der Niedersächsischen Konföderation bezeichnete Herr Pohlmann das gemeinsame Ausbildungskonzept zwischen Braunschweig und Oldenburg: Mit dem Vikarsjahrgang 2006 (3 Vikarinnen) kommen erstmals Oldenburger in den Genuss eines Predigerseminars (Braunschweig). „Gegenwärtig befinden sich 7 Vikarinnen und Vikare im Vorbereitungsdienst in der Oldenburgischen Kirche [...] Diese Vikarinnen und Vikare werden über den – gegenwärtig in der EKD diskutierten – Prognose-Zeitraum 2030 hinaus im Dienst sein. Dieser Zukunftsaspekt von Kirche muss immer im Blick sein.“ Neben der Pfarrerfortbildung (u.a. Mentorenausbildung für Vikare), der Kirchenführer-Ausbildung und dem Bereich Religionsunterricht thematisierte Herr Pohlmann vor allem noch mal die Konfirmandenzeit. Die Regelmäßige Teilnahme sei durch das Konkurrenz- und Konfliktfeld „Gesamttagsschule“ bedroht; ferner sollte auch an einer landeskirchlichen Begleitung (d.h. Hauptamtlichenstelle) der „Konfi-Zeit“ festgehalten werden. 
Eine Debatte kam bei den Oberkirchenratsberichten erst auf, als OKR Grobleben den undankbaren Job hatte zu verkündigen, dass Oldenburg nun die EZ (Evangelische Zeitung) „gekündigt“ hat. Eine Clearinggruppe hat auf Ebene der Konföderation die kirchliche Medienkommunikation in Niedersachsen untersucht. Während die Arbeit vom Ev. Kirchenfunk Niedersachsen, dem epd (Ev. Pressedienst) und die Internet-Aktivitäten der Landeskirchen (Oldenburg dürfte damit wohl weniger gemeint sein) positiv bewertet wurde, seien andere Bereiche defizitär: „Die Kommunikation mit den ehrenamtlichen engagierten Kirchenmitgliedern, sofern es nicht um reine Fachinformation geht, sowie die Vermittlung protestantischer Positionen und Anliegen [hat Oldenburg welche??] in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Führungsebenen Niedersachsens hinein [...] könne [...] durch die traditionelle Kirchengebietspresse nicht mehr in ausreichender Weise wahrgenommen werden.“ Damit sei aber, so Grobleben, keineswegs ein Urteil über die Qualität der EZ erhoben, sie werde nur von zu wenigen gelesen. Die sich anschließende Debatte im Plenum stellte dann differenziert fest: Die EZ wird zwar von vielen gelesen, aber nur wenige beziehen diese gebührenpflichtig. Die erreichte Quote sei eben nicht ausreichend. Bleibt also abzuwarten, wann dem Finanzausschuss auch auffällt, dass die erreichte durchschnittliche Quote der Gottesdienstbesuche eigentlich auch keine Finanzierung dieser deutlich teureren „Angelegenheiten“ rechtfertige...
    

Eine Debatte oder zumindest mehr kritische Rückfragen hatte ich selber eigentlich vor allem beim „Bischofsbericht“ erwartet. Quasi zum ersten Mal hat Bischof Krug damit in einer größeren kirchlichen Öffentlichkeit die Worte „Zukunftskongress“ und „Impulspapier“ in den Mund genommen. Neben einem Zitat aus Hubers Abschlussrede aus Wittenberg (im Internet dokumentiert) ist der oberste Hirte unserer Gliedkirche jedoch über die „vier biblisch geprägten Grundannahmen“ aus dem Impulspapier (bereits seit dem Sommer 2006 „auf dem Markt“) nicht hinausgekommen. Immerhin hat er – mündlich ergänzt – realisiert, dass die Studierenden eine Synodeneingabe zum Thema verfasst haben. In seiner Rede war er jedoch schnell beim schon seit mehr als 10 Jahren noch zur Zeit von Bischof Sievers begonnenen Reformprozess in der Oldenburger Kirche, fasst die einzelnen Etappen kurz zusammen (man erinnere sich an das „gelbe“ und das „grüne“ Papier...) und bedankte sich höfflich mit einem „bischöflichen Dank“ bei den aktuellen und ehemaligen Mitgliedern der Steuerungsgruppe (mit letzteren dürfte sich wohl auch Pfr. Qualmann angesprochen fühlen). Über den erfolgreichen Verlauf der bisherigen Etappen darf man sicher geteilter Meinung sein (immerhin bringen auch gescheiterte Prozesse einen Erkenntniszuwachs) und so manchen „Reformhausaufgaben“ gibt es sicherlich auch gewisse Parallelen zur Diskussion auf dem Wittenberger Zukunftskongress. Dass die Erkenntnis von der EKD-Ebene den Oldenburgern bekannt vorkommen sollten, kann hingegen nur jemand schreiben, der selbst gar nicht in Wittenberg war und sich in die Materie allenfalls angelesen haben mag. Ob bewusst inszeniert sei dahingestellt, zumindest erweckte er zweifelsohne den Eindruck, als sei er „mitten dabei gewesen“, vom Grund seines Fehlens in Wittenberg fehlt jedes Wort. 

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Mit einem ähnlichen Zaubertrick verarbeitete er auch die 3. Ökumenische Versammlung in Sibiu in seinem Bischofsbericht. Das über die Evangelische Jugend (aej) eine Oldenburgerin nach Sibiu aufbricht, war Mitgliedern des Oberkirchenratskollegium ebenso unbekannt wie Oldenburger Synodalen, warum eigentlich die Oldenburgische Kirche keine offizielle Delegation stellt. Immerhin konnte der Militärbischof erwähnen, dass mit Dekan Jürgen Walter „aus Oldenburg“ die Ev. Seelsorge in der Bundeswehr dort vertreten sein wird. Positiv zu vermerken ist jedoch, dass dem „Militärbischof im Nebenamt“ beim Themenkomplex „Soziale Bewährungsproben“ nicht entgangen ist, dass die Evangelische Jugend in Niedersachsen im Herbst letzten Jahres einen Jugendsozialgipfel (Bischof Weber aus Braunschweig war da) veranstaltet hatte.
Große Aufmerksamkeit wurden dem Bischof erst zuteil, als er gerade zur Verabschiedung von Kreispfarrer Harrack plötzlich fluchtartig aus dem Saal stürmte und im Kreise der Synode nur fragende Gesichter zurück ließ. In der anschließenden Kaffeepause wurde dann das Geheimnis von Vertretern aus der Pressewelt gelüftet... oder keck und zugleich makaber ausgedrückt: Selbst „nur“ die Scheidung von Margot Käßmann vermag die Oldenburger Synode mehr zu „bewegen“ als der Bericht des eigenen Bischofs.
    

Emotional wurde es, als neben der seit dem 1. Juli in Kraft getretenen Kirchenkreisreform auch die Gesetze zur Änderung der Kirchenordnung bezüglich des neue „Gemeinsamen Kirchenausschusses“ (GKA) positiv verabschiedet wurden. „Nach vielen Jahres grundsätzlicher Debatten kann man nur Danke sagen, denen, die in den 14 Jahren Kraft und Engagement eingebracht haben,“ beteuerte Präsident Heinz Heinsen und stellte am Ende fest: „Wer was bewegt, weiß nicht, ob er was bewegt. Aber wer nichts bewegt, bewirkt [auch] nichts.“ Als der „Vorlage 203“ bei erster Lesung mit nur 2 Gegenstimmen und einer Enthaltung zugestimmt worden war, ging für den Synodenpräsidenten so etwas wie eine Lebenstraum in Erfüllung und für die Synode – zumindest vorläufig – ein jahrelanger Kampf um die „Vorherrschaft“ zwischen Synodalausschuss und „Oberkirchenrat“ zu Ende. Sichtlich gerührt und erleichtert lud der Präsident daraufhin auch gleich die ganze Synode zu einem Umtrunk ein. 
Wenn das Kalenderblatt zum ersten Mal das Jahr 2008 ausweisen wird, wird die Oldenburger Kirche von einem gemeinsamen Gremium bestehend aus Synodalen und hauptamtlichen Oberkirchenräten geleitet werden. Die Synodalen stellen die Mehrheit, die hauptamtlichen mit dem Bischof allerdings den Vorsitz. Dies mag zwar nur symbolisch sein, aber eben hier liegt meiner Meinung auch eine andere Symbolik: Zum ersten Mal wird eine Oldenburger Bischof damit auch den Vorsitz über synodale Strukturen führen. Heinz Heinsen sieht darin aber auch sein Amt gestärkt: Mit dem Präsidenten oder der Präsidentin der 47. Synode wird dann ein ehrenamtlichen Mitglied endlich im Sinne des Priestertum aller Getauften quasi zum „stellvertretenden Bischof“. Jetzt müssen sich die Mitglieder des neuen GKA nur noch vertragen können. Bisher waren die Rollen in der Theorie klar verteilt: Das Oberkirchenratskollegium stellte die „leitende Geschäftsführung“ dar, der Synodalausschuss als ständige Vertretung des höchsten Organs unserer Kirche (zur Erinnerung: das ist die Synode) fungierte als eine Art Aufsichtsrat. Das diese tolle Theorie in der Praxis leider nicht funktioniert hat, darüber sprechen nicht allein unserer letzten Synodenberichte „Bände“. Mit einem großen Paukenschlag hat das Oberkirchenratskollegium noch mal testen wollen, wer im Ring das sagen habe. Am letzten Verhandlungstag – fast unmittelbar kurz vor dem Beginn eines vielleicht sonst ruhigen Wochenendes - platzte noch mal eine „Bombe“, als sich um die Pressesprecherin eine kurze aber hitzige Debatte entfacht hatte. Die „Pressesprecherin des Oberkirchenrates“ soll nach Wunsch und offenbar schon mehrfachen Beschluss der Synode als Presserepräsentantin der Oldenburger Kirche fungieren und durch die Teilnahme an den kirchenleitenden Gremien auch auf dem aktuellen Stand gehalten werden. Was beim Synodalausschuss auch prima funktionierte, wurde im Oberkirchenrat „schlicht verweigert“. Fast als alleiniger und mutiger „Einzelkämpfer für Demokratie und Partizipation“ versuchte Pfarrer Tönjes vergeblich eine Erklärung aus der „Oberkirchenratsbank“ zu kitzeln. Der sonst sehr wortgewandte OKR Grobleben verzettelte sich nur offensichtlich missverstanden in ein Wortgefecht um ein „Chaos am Präsidiumstisch“ und die Worte von Frau Dr. Albrecht, „die Synode hat nicht beschlossen, bis wann der Beschluss umgesetzt werden soll“ bedürfen wohl keinem weiterem Kommentar zum Arbeitsverhältnis zwischen unseren leitenden Kirchenorganen. Als der „neue“ Jurist in der „Oberkirchenratsbank“, Wolfram Friedrichs, schließlich noch mal feststellte, dass die Synode das höchste Organ unserer Kirche sei, war Präsident Heinsen über diesen „Gesinnungswandel“ wohl so überrascht und erfreut, dass ein weiteres Vorgehen in der Sachlage nicht erfolgte. Der Applaus stand zweifelsohne auf Seiten des Synodenpräsidenten. Als Synodenbeobachter muss man jedoch festhalten: Der Punktsieg ging an den Oberkirchenrat, denn die Synode hat wieder einmal keine Konsequenzen auf die für Oldenburg schon bekannten „Verhinderungstaktiken“ folgen lassen. 

Qu: http://www.nikodemus.net/0130

Vielleicht werden uns nach der Konstituierung der 47. Synode solche offenen „Ringkämpfe“ nicht mehr „belustigen“ können. Doch ob ein zeitnaher Informationsaustausch auf Augenhöhe im GKA wirklich klappt, wird sich noch erst zeigen müssen. Nachdem die Oberkirchenräte bisher „sehr zurückhaltend“ mit Informationen waren, darf man nur hoffen, dass sie nicht den Fehler begehen und die Synodalen nun mit Informationen „vollzumüllen“ versuchen. Wir hoffen das Beste und wünschen den mutigen Synodalen, die sich in den GKA trauen, die nötige Gelassenheit, Gottes Segen und viel Erfolg!
   

   
Stefan Bölts