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Zukunftsorientierung im Zeichen der Hoffnung...

2. Tagung der 46. Synode - Herbstsynode 2002

 

Der erste inhaltliche und somit erste wesentliche Tagesordnungspunkt war der Bericht des Bischofs. Während die Berichte für die letzten Sitzung der Synode im Frühjahr 2002 auf das Binnenleben der Oldenburgischen Kirche abzielten, war der 16-seitige Bericht auf dieser Herbstsynode unter dem Titel „Zukunftsorientierung im Zeichen der Hoffnung“ ganz und gar nach außen gerichtet. Vom Ringen um Gerechtigkeit und Frieden bis zur Charta Oecumenica - von der Solidaritätswelle nach der Flutwelle bis zu den auf der letzten EKD-Synode behandelten Maßen der Menschlichkeit umfasste der Bericht eine Reihe von gesellschaftlichen und politischen Fragen, welche von außen an die Oldenburger Kirchentüren schwappen. Da der Bericht des Bischofs vermutlich im Internet nachzulesen ist, skizziere ich an dieser Stelle die wichtigsten Anmerkungen und Beiträge von der Aussprache zu dem Bericht von Bischof Krug.

Zum einen wurde die Bildungsverantwortung angerissen, welche bei Kirchens ihren Schwerpunkt in der vorschulischen Bildung, insb. den Kindergärten haben soll. „Bildung statt Wissens-Häppchen in fachspezifischen Details“ war eine Forderung an die Schulen, welche hierbei im Raume stand. Die Perspektivgruppe will zu diesem Thema „Rahmen zur Bildung“ zur nächsten Frühjahrssitzung vorlegen. Schon mit der Anmerkung, die Bildungseinrichtungen sollten im Finanzplan gebührend berücksichtigt werden, war das Schwerpunktthema dieser Synode - der Haushaltsplan - nicht mehr zu übersehen.

Auch der Umgang mit der älter werdenden Generation darf in bestimmten Bereichen nicht tabuisiert werden. So sei auch Thema, wie man mit „dem Alter“ umgehen muss und es wurde die stationäre Altenpflege als Beispiel benannt. Und so wurde zum Punkt „Lage der Sozialeinrichtungen und ihre Zukunft“ erwähnt, dass 11 von 13 Einrichtungen über keinen abgedeckten Haushalt mehr verfügen würden und „mehrere deutlich gefährdet“ seien.

Wie sicherlich alle schon aus der EZ entnommen haben, wurde die Tagung der Synode für eine Kundgebung der MitarbeiterInnen der Diakonie-Sozialstationen im Garten der ev. Akademie unterbrochen.

Unter den Abschnitt „Ringen um Gerechtigkeit und Frieden“ unterstrich Bischof Krug in seinem Bericht u.a. die Kriegsursachenforschung als Vorraussetzung der Friedenspolitik (G. Brakelmann, S 118ff.) und dass die ultima ratio militärischen Handelns ultima ratio bleiben muss.

Neben der militärischen Komponente wurde auch die Verantwortung der globalisierten Wirtschaft unter die Lupe genommen und aus einer kleinen Publikation des Ev. Entwicklungsdienstes (eed) zitiert: „An der Schwelle zum 21. Jahrhundert sind 800 Millionen Menschen unterernährt, müssen 1,2 Milliarden mit weniger als einem US-Dollar pro Tag auskommen. Das Gros der Hungernden lebt auf dem Lande, dort wo Nahrung angebaut wird. Doch vielerorts ist den Armen der Zugang zu Ackerflächen verschlossen. Das erklärt, warum 70% der hungernden Kinder in Ländern leben, die Nahrungsmittelüberschüsse produzieren.“

„Die Synode einer Kirche in der Größe Oldenburgs ist überfordert, zu den drängenden weltpolitischen Fragen in aller Tiefe und Breite Stellung zu nehmen“, so Krug weiter, aber er hält „den Mindestanspruch für nötig, den wir an uns selbst stellen sollten, dass wir um die Grundproblematik von Frieden und Gerechtigkeit in ihrer Wechselwirkung wissen, sie weiter verfolgen und ... mit den Möglichkeiten eines globalen Christentums uns um Fairness in der Weltwirtschaft ... bemühen.“ Das sich die Oldenburger Theologiestudierenden auf einer Ahlhorn-Tagung mit der „Kirche als Global Player“ beschäftigten bliebt unerwähnt, dafür füllte die letzte „Eingabe an die Synode“ (?!) von Seiten der Studierenden fast den ganzen mündlichen Bericht aus dem Ausschuss für theologische und liturgische Fragen. Es wurde mehrmals darauf hingewiesen, dass es sich um kein offizielles Zwischenergebnis handele, sondern nur um einen kurzen Einblick in die Arbeit des Ausschusses. Man hat sich zunächst exegetischen Fragen zugewandt und festgestellt, dass Aussagen zur Homosexualität nicht das Zentrum biblischer Aussagen bilden. Es traten dann aber hermeneutische Differenzen zu Tage: Inwieweit gilt das biblische Verbot der Homosexualität heute? Verbietet nicht auch eine Schöpfungstheologie eine Gleichstellung homosexueller Paare? Als weitere Fragen werden verhandelt: Ist Homosexualität angeboren oder anerzogen? Ist das überhaupt relevant? Welche Theologie der Ehe haben wir? Ist das Leitbild der Ehe aufgeweicht – das Lebenspartnerschaftsgesetz ist aber wohl mit der Ehe unvergleichbar -? Die Kirchengemeinde Jade hat eine Eingabe an den Synodenausschuss gerichtet, da dort ja seit einem Gemeindekirchenratsbeschluss im Sommer (EZ berichtete) Segnungsgottesdienste gefeiert werden. Es gab darüber hinaus noch weitere Eingaben von Einzelpersonen und Kirchengemeinden, die berücksichtigt werden. Zusammenfassend lässt sich sagen: Der Ausschuss arbeitet sehr gründlich! Fast jedes Argument, ob alt oder neu, gut oder schlecht, wird gehört. Es ist aber noch nicht abzusehen, in welche Richtung eine mögliche Beschlussvorlage gehen wird. Man darf also weiter gespannt sein. Abgesehen davon sind wir von einzelnen Mitgliedern des Ausschusses zu unserer Meinung gefragt worden. Und es gibt auch in unserer Synode Menschen, die das alles eher pragmatisch sehen („ich sehe das Problem nicht...“).

Während der Bericht des Bischofs diesmal nicht das Kircheninnenleben zum Schwerpunkt hatte, wurde unter TOP 6 wieder aufgegriffen, was auf der 1. Tagung der neuzusammengesetzten Synode zum kirchlichen Innenleben auf den Weg gebracht worden war. Der Synodalausschuss und das Präsidium sollten aus den Arbeitsgruppenergebnissen Beschlussentwürfe ausarbeiten (auf der letzten Sitzung wurden zu den 6 Berichten (Bischof & 5 OKR) Arbeitsgruppen zur Aussprache und näheren Auseinandersetzung gebildet).

Zusammenfassend sei festzuhalten:

-          Zum Ref. I soll eine Synopse mit Leitungsstrukturen anderer Landeskirchen in der EKD aufgestellt werden

-          Zum Ref. II wird ein Personalentwicklungsplan erarbeitet (Pkt. 12 beim Kirchensteuerbeirat)

-          Zum Ref. III ebenfalls Schwerpunktlegung auf Personalentwicklung, Ausbildung & Nachwuchsgewinnung (auch d. Fortbildung für Mitarbeiter wurde angerissen). Insbesondere müsse eine Nachwuchswerbung im Bereich der Kirchenmusik (v.a. C-Organisten) erfolgen

-          Zum Ref. IV wurde festgehalten, dass die Zahl der Theologiestudierenden um 50 % zurückgegangen sei und man nun in den Gymnasien und auf Berufsmessen eine Werbestrategie umsetzen werde. Besondere Erwähnung fand die „angespannte finanzielle Lage“ für Vikare, wo alsbald Handlungsbedarf bestünde.

-          Zum Ref. V wurde festgehalten, dass die Herausforderungen der älter werdenden Gesellschaft bis zur Frühjahrsitzung der Synode 2004 im Struktur & Leitbildprozess behandelt werde (wieder ein Verweis auf die Perspektivgruppe).

TOP 7 – Haushaltsplan

Im Gegensatz zu den Kommunen sei der Haushalt „quasi ausgeglichen“, da es „quasi keine Neuverschuldung“ gäbe. Dennoch zeichnen sich für die Zukunft Probleme ab, vor allem die jährlich stetig anwachsenden Personalkosten (Gehaltsanpassung, Personalkosten sind schon ca. 80% der Gesamtausgaben) gegenüber dem Rückgang der Kirchensteuerzahler (hier liegt das Problem nicht vor allem bei den „modern gewordenen“ Kirchenaustritten sondern sei eine allgem. gesellschaftliche Herausforderung angesichts der Bevölkerungspyramide).

„Unter Berücksichtung der Einnahmeentwicklungen und der steigenden Kosten bedeutet dies:

1.      Wir müssen Einsparungen vornehmen.

2.      Wir müssen unsere Einnahmen steigern.

3.      Jede finanzielle Ausweitung muss entweder zu Einsparungsmöglichkeiten führen oder eine Einnahmenverbesserung bedeuten oder eine Einsparung an anderer Stelle bedingen.“

Die Aussprache und Diskussion zu diesem Punkt lässt sich in folgenden Aspekten zusammenfassen:

  • stärkeres Profil erarbeiten & mission. Arbeit – mehr Mitglieder – mehr Geld

  •  Gemeindearbeit muss sich stärker auf Ehrenamtlichen-Pools stützen

  •  Finanzierung statt Subvention des kirchl. Teils der Pflegedienstleistung

  •  Diskussion um Finanzierung der Diakonie, insb. häusl. & ambulante Pflege muss in die Öffentlichkeit getragen werden – zeigen was Kirche tut & macht

  •  Gesundheit wird privatisiert – christl. Pflege muss sich auf dem Markt durch ihre Vorteile profilieren und halten können

  •  Grundsätzliche Rolle der Kirche als Sozialträger muss überdacht werden

  •  Frage der Prioritätendiskussion – Kirche & Geldmittel <-> Kirche & Aufgabe – Daseinsfürsorge

Die Synode beschloss, zu diesem Thema eine Arbeitsgruppe einzurichten. Diese Grundsatzdiskussion müsse auch eigens behandelt werden und können nicht nebenbei von einer Perspektivgruppe abgehandelt werden.

Für die Diakonischen Einrichtungen wurde ein Notfallfond eingerichtet. Die Zahlen über das Blockhaus Ahlhorn fehlten als Anlage, da der Wirtschaftsplan noch nicht fertig war.

Im Zuge der Haushaltsberatung gab es auch Diskussionen über die ZGASt (Zentrale Gehaltsabrechnungsstelle), von welcher man sich Einsparungen erhofft.

Sehr „spannend“ war auch der Zwischenbericht der „Perspektivgruppe“. Unter dem vermutlich missverständlichen Titel eines kurzen Zwischenstandsberichtes wurde Anfangsüberlegungen der Arbeit jener Arbeitsgruppe multimedial präsentiert (so hoffe ich jedenfalls, dass die in der Präsentation dargestellten Aspekte nicht alles ist, was in einer halbjährigen Beratung zusammengetragen worden ist). Zumindest wurden die bisher genannten Überlegungen von mehreren Synodalen  beim darauffolgenden Aufenthalt im Speisesaal als „schlechten Scherz“ bezeichnet. Bleibt jedenfalls festzuhalten, dass zur nächsten Synodensitzung an jene „Wunderwaffe“ ein sehr sehr großer Erwartungsdruck herrscht, da auf dieser Synodensitzung zu den unterschiedlichsten Punkten immer wieder auf die „Perspektivgruppe“ verwiesen worden war.

Die Perspektivgruppe selbst fasst die Strukturveränderung als Entwicklungsprozess auf, bei dem nicht ein Idealmodell überfordert werden soll, sondern die Veränderungen Stepp by Stepp vorgenommen und evaluiert werden sollen. Dort wo Arbeitsergebnisse vorliegen, sollen diese auch zur Beschlussfassung in die Synode gehen. Die Synode gab der Perspektivgruppe noch auf den Weg, dass sie dass „Stand-Land-Gefälle berücksichtigen“ möge sowie das unter TOP 15 (Entlastung des OKR) erwähnte „organisatorische & strukturelle Problem im OKR“.

Ansonsten wurde unter TOP 17 bei der Änderung der GO der Synode festgehalten, dass die Ausschüsse derselbigen nicht öffentlich sind, demnach soll auch nicht von den Ausschüssen auf Gemeindekirchenräten etc. berichtet werden.

Zu guter letzt sei noch zu erwähnen, dass der Bericht der Gleichstellungsbeauftragten abgeändert wurde und die „Fachgruppe der Pfarrsekretärinnen“ in „Fachgruppe der Pfarrsekretärinnen und Pfarrsekretäre“ umformuliert wurde.

Stefan und Malte

(Synodenbeobachter)