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Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus...

3. Tagung der 46. Synode - Frühjahrssynode 2003

 

Erster Sitzungstag

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus. So wird auf der kommenden Herbstsynode ein Mammutprogramm dafür sorgen, dass die Beratungen drei Tage dauern werden. Das wäre das erste Mal seit langer Zeit. Die Themen werden KonfirmandInnenarbeit, Änderung des Pfarrergesetzes und Segnungen gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften sein. So viel zur kommenden Synode. Die letzten beiden Punkte waren nun aber auch schon am ersten Sitzungstag der Frühjahrssynode Teil der Tagesordnung. Zu den Punkten im Einzelnen:

Lebenspartnerschaftsgesetz: Der Unterausschuss hat in neun Sitzungen das Thema ausführlich erörtert und nun einen Abschlussbericht für die Ausschüsse vorgelegt, der den Synodalen erst auf Anfrage nachgereicht wird. Der Vorsitzende des Ausschusses für theologische und liturgische Fragen, Dr. Unger, hat mündlich den Inhalt zusammen gefasst. Demnach gibt es kein einheitliches Votum. Es gebe unterschiedliche, für die gesamte Theologie repräsentative hermeneutische Ansätze, mit den Bibeltexten umzugehen. Diese stehen sich zunächst unvereinbar gegenüber. Es wird aber erwartet, dass zur Herbstsynode eine Beschlussvorlage erarbeitet sein wird, die dann zur Abstimmung gestellt werden wird. Es heißt also weiterhin: Abwarten!

Pfarrergesetz: Zunächst einmal: Worum geht es? Im Zuge medialer Großereignisse in der braunschweigischen Kirche (Pfarrer ist Mörder u.ä.) sollte klarer geregelt sein, dass nach einer strafrechtlichen Verurteilung eines Pfarrers/ einer Pfarrerin diese/r auch dienstrechtliche Konsequenzen zu tragen habe (Disziplinarverfahren; Wegfall der Versorgungsbezüge u.ä.). Man will damit in der Öffentlichkeit deutlich machen, dass die Kirche bei ihren Angestellten durchaus auch Konsequenzen zieht. So weit – so gut. Nun ist es aber so, dass es der Oberkirchenrat versäumt hat, diese Gesetzesvorlage rechtzeitig der Pfarrervertretung zur Stellungnahme zuzuleiten. Allein aus diesem formalen Grund wollte der OKR das Gesetz auf die nächste Synode verschieben. Aber schon auf dieser Tagung wurde massive Kritik von Seiten der Pfarrer/innen geäußert, die wohl jetzt im nächsten halben Jahr gezielt ausgearbeitet werden wird. Kritisiert wurde z.B. die verstärkte Abhängigkeit der Kirche vom Staat, die auch noch hausgemacht ist; ungeklärt ist das Verhalten der Kirche bei Straftaten, die auf Grund des Bekenntnisses des Pfarrers/ der Pfarrerin begangen wurden (z.B. Kirchenasyl); ungeklärt ist die theologische Frage nach dem kirchlichen Verständnis von Schuld und Sühne – ist es ein anderes als das des Staates? Auch wurde es als unangemessen kritisiert, dass durch den Wegfall der Bezüge nicht nur Amtsperson, sondern seine/ ihre gesamte Familie bestraft würde. Diese und andere Fragen müssen noch geklärt werden. Auf der nächsten Synodentagung wird – so der Eindruck – noch viel diskutiert werden.

Abgeschlossen wurde auf dieser Synodentagung aber auch etwas. Und zwar das Gesetzgebungsverfahren zum Gesetz über die Wiedereintrittsstellen. Es wird jetzt – neben jeder Pfarrstelle – noch explizite Wiedereintrittsstellen geben können. Diese sollen z.B. an Urlaubsorten Eintrittswilligen zur Seite stehen. Hätte man die Diskussion über den Zwischenbericht der Perspektivgruppe nicht auf den zweiten Tag verschoben, wäre es gut möglich gewesen, schon am Donnerstag mit allen Tagesordnungspunkten fertig zu werden. Aber, wie schon gesagt, im Schatten der drohenden Mammutsynode wollte man wohl keinen zu krassen Unterschied provozieren...

Zweiter Sitzungstag

Der zweite Sitzungstag drehte sich im Wesentlichen um die Perspektivgruppe. Da der Zwischenbericht jener Arbeitsgruppe „nur“ als Tischvorlage vorlag und eine intensive Durchsicht und Vorbereitung auf eine mögliche Diskussion mit Rückfragen nicht möglich schien, war der TOP auf den zweiten Verhandlungstag vertagt worden. Wo stehen wir? Nachdem einst eine Arbeitsgruppe mit dem schönen Titel „Konzeption“ einen Bericht (oder auch das legendäre „gelbe Papier“) mit der Überschrift „Perspektiven kirchlichen Handelns in der Ev.-Luth. Kirche in Oldenburg“ zur Mai-Synode 1998 vorlegte, ergaben sich aus Diskussion und Auseinandersetzung, dass bereits die 45. Synode die vielzitierte „Perspektivgruppe“ ins Leben rief. Dabei geht es um jene Gruppe, dessen Vertreter schon die letzten beiden Tagungen der 46. Synode mit „mehr oder weniger viel aussagenden“ Zwischenstandsberichten und Powerpointpräsentationen beglückte - kurzum ging und geht es in der Perspektivgruppe darum, zu erfassen, was derzeit „Kirche“ in Oldenburg ist - und einen endgültigen Bericht bis zur Frühjahrssynode 2004 vorzulegen, was „Kirche“ in Oldenburg sein könnte - oder wirtschaftlich gesehen noch sein kann, vielleicht sein sollte oder gesellschaftlich gesehen sein muss. Viele Fragen, die die Zukunft unserer „Landes“-Kirche betreffen (so fällt bei einem Synodalen auch am Rande mal die Frage nach handfesten Argumenten für die Eigenständigkeit - die uns vor einem möglichen hannoverschen Sprengel „bewahren“ sollten).

Nachdem nun auf der letzten Herbstsynode (2002) im wesentlichen die ersten Anfangsüberlegungen sehr ausführlich präsentiert worden waren, ließ der Zwischenbericht zur 3. Tagung der 46. Synode im Frühjahr 2003 abgesehen von der Konzeption einer Matrix und eines Fragebogensystems zur empirischen Erfassung von „Was Kirche derzeit ist“ (nähere Erläuterung folgt noch) - wenn man ganz ehrlich ist - nicht wesentlich viel neues und vor allem konkretes schlussfolgern. Der unter einigen Synodalen ausgebrochene „Unmut“ äußerte sich neben kritischen Nachfragen auch in Anträgen bis hin zur Forderung, über die Zusammensetzung neu nachzudenken.

Damit erst einmal alle Synodalen auf dem gleichen Informationsstand sind, wurde an alle eine Kopie des Beschlusses verteilt (ein Mitglied des Präsidiums meinte dazu in der Pause, einige hätten wohl ihre „Hausaufgaben“ nicht gemacht), aus welcher zu entnehmen war, was die „Vorgänger-Synode“ nun genau in Bezug auf die Perspektivgruppe beschlossen hatte. Und so entwickelte sich die folgende Diskussion dahingehend, dass die derzeitige Zusammensetzung jener Gruppe nicht dem Wunsch der Synode entsprach und man „stritt“ darüber, ob man den Anteil des OKR in der Zusammensetzung verkleinern sollte oder den Anteil der Synodalen vergrößern sollte, ob genügend Fachkompetenz einbezogen ist oder ob die vergrößerte Gruppe überhaupt noch arbeitsfähig sein kann. So sah es sogar unser Bischof, übrigens nun mit einer „nebenamtlichen Funktion eines Militärbischofs“ betraut, für nötig, in die Diskussion einzugreifen, wie er es sonst wohl selten tue. Zwar hat vermutlich das Argument der Fachkompetenz des OKR wohl keine große schlagfertige Wirkung gegenüber dem diplomatisch-vorsichtig formulierten Vorwurf, der OKR würde nur im „eigenen Saft braten“ - doch auch die letzten Kritiker mussten sich dann der mehrheitlichen Auffassung beugen, dass es wohl keinen Sinn habe, „so kurz vor dem Ziel die Pferde zu wechseln“, da „die Perspektivgruppe doch derzeit so erfolgreich arbeite...“ So entschloss man sich, den „synodalen Anteil“ zu erhöhen - wer sich nun „in die vielen Papiere und Protokolle einlesen muss“ blieb jedoch offen, da die Synode die Verantwortung über die Nachbesetzung wieder an den Synodalausschuss abtrat (Beim Stichwort „Nachbesetzung“ sei hier noch zu erwähnen, dass Pfr. Qualmann im Vorfeld aus der Gruppe zurückgetreten war - eine Begründung wollte er nicht öffentlich in der Synode vortragen).

Nachdem man nun über einige Redebeiträge und Zeit hinweg über die Zusammensetzung geeinigt hatte, hat man nun als Fazit die Gruppe - bleibt „nur“ noch die Frage nach der Perspektive? Mit dieser, zugegebenerweise spitz-formulierten, Überleitung kommen wir zur inhaltlichen Seite.

Mit Hilfe von Fragebögen und der kurz erwähnten „Matrix“ möchte die Perspektivgruppe erfassen, was die einzelnen Arbeitsbereiche derzeit als „Kirche in Oldenburg“ auffassen, und alle Bereiche dieser Kirche auf „Herz und Seele“ überprüfen. Dazu werden alle Arbeitsbereiche an den „vier Dimensionen des Evangeliums: Glaube, Orientierung, Gemeinschaft und Gerechtigkeit“ gemessen und zudem neben der Frage nach dieser „Zielerreichung“ auch Punkte zu den Bereichen „Reichweite“, „Innovationskraft“ und „Wirtschaftlichkeit“ erfasst und ausgewertet.

Abgesehen davon, dass einige wenige Synodalen um eine „Arbeitshilfe“ zum Ausfüllen der Fragebögen baten, ist das ganze mit Sicherheit eine gute Methode um festzustellen, was „Kirche“ derzeit ist bzw. welche „Ziele Kirche derzeit erreicht und bedient“. Dennoch bleiben auch die Fragen nach den in die Zukunft gerichteten Perspektiven - die Formulierung einer Synodalen „was Kirche sonst vielleicht noch sein könnte“ fasse ich mal für mich so auf, um mein Schlagwort ins Spiel zu bringen: „Fragt auch jemand nach Visionen - wenn es um die Kirche von morgen geht?“

Wenn man von den bisherigen „Grundaussagen“ der Perspektivgruppe und den bisherigen grundlegenden Ideen in die Tiefe gehen will, so können einem einige gefragte Gruppenmitglieder auch im Einzelgespräch jenseits des großen Plenums nur antworten, dass man noch nicht weiter sei und keine „konkreteren Punkte“ vorweisen könne.

Der Antrag, die Perspektivgruppe möge doch „Marketing für die Zukunft der Kirche“ mit in ihre Arbeit einbeziehen, wurde von einem Synodalen mit der Befürchtung begründet, er sehe in Hinblick auf den demographischen Faktor die Position der Kirche in der heutigen Gesellschaft und den nur noch punktuell erfolgreichen Kontakt der Kirche mit der jungen Generation die Existenz der Landeskirche in Zukunft gefährdet. Für jemanden, der aus der evangelischen Jugendarbeit kommt, kann ich dieser Aussage nur lautstark zustimmen - schaut man sich aber die ganze bisherige Diskussion um die „Perspektiven“ an, könnte man auch das Fazit ziehen, man sehe die Landeskirche auch von anderen Gesichtspunkten her gefährdet. Aber vielleicht schafft es ein etwas konkreterer Zwischenbericht auf der kommenden Herbstsynode, die Wogen zu entspannen und die Diskussion um „die Gruppe“ wieder voll und ganz auf das Thema „der Perspektiven“ zu richten. Einige Synodalen können den Bericht kaum erwarten und sind gespannt. So bleibt die Hoffnung, dass die Perspektivgruppe zukunftsweisende Perspektiven aufweisen wird - im in Bethel neu etablierten „Diakoniemanagement“ haben wir ja erst vor kurzem gelernt, welch´ große Rolle das „Vordenken“ auch im Non-Profit-Bereich hat - und wer weiß, vielleicht präsentiert uns irgendeine Perspektivgruppe auch noch ein alternatives Finanzierungskonzept, bevor eine mögliche Bundesstaatenversammlung der Vereinigten Staaten von Europa mehrheitlich die Kirchensteuern abschafft ;-)  Auch ich bin gespannt, was uns auf der nächsten Synode erwartet, wenn es wieder heißt: „Namens und im Auftrag des OKR....“

 

Malte (Bericht erster Tag) und Stefan (zweiter Tag)