Delegierter zu sein ist eine schöne und zugleich auch anspruchsvolle und verantwortungsvolle Aufgabe. Schön ist es zum Beispiel, wenn man quasi live weiterverfolgen kann, was mit den Voten aus dem entsendenden Gremien in anderen / höheren Gremien passiert. Was ist aus unseren Ideen, unseren Forderungen oder Vorschlägen geworden? Es ist aber auch eine anspruchsvolle Arbeit. Man muss sich durch viel Papierkram kämpfen und vor allem zur richtigen Zeit die Stimme abgeben und anschließend im entsendenden Gremien auch berichten und begründen können, warum man so und nicht so abgestimmt hat. Interessensvertretung auf der einen Seite und die Kompromissbereitschaft auf der anderen Seite sind die beiden Poole, zwischen denen man sich manchmal auch wie auf Messers Schneide bewegen muss. Deshalb ist es auch eine verantwortungsvolle Aufgabe und nicht selten bedarf es viel Verhandlungsgeschickt im Vorfeld einer Abstimmung, viel Abstimmungsgeschick in den Vorbereitungen und ein dickes Fell in der harten Auseinandersetzung. Aber wer sich traut, den Mund aufzumachen, und sich überzeugend einsetzt, der kann auch etwas bewegen. Ich war mehrere Jahre Delegierter in verschiedenen Selbstvertretungsorganen zweier Pfadfinderverbände und der Evangelischen Jugend. Dabei habe ich mir auch verschiedene Spitznamen eingefangen, die von "Papiertiger" bis "Diplomat" reichen. Den ersten, weil ich ein gewissenhaftes Auge für Protokoll und Formalia habe und aus Erfahrung weiß, dass es stets besser ist, alle Beschlüsse auch formell in trockenen Tüchern zu haben. Den letzten, weil ich nicht selten durch diplomatisches Geschick aus Kompromisse hervorzaubern konnte, wo sich Meinungen schon festgefahren hatten. Das Ganze ist für mich im deutschsprachigen Raum natürlich wesentlich einfacher, denn in der hohen Kunst der Diplomatie ist man mit seinem Schulenglisch schnell am Ende. Dennoch darf ich mich zufrieden geben, in der Lahn Model United Nations Conference 2009 (LahnMUN) als fiktiver Repräsentant Ägyptens in der englischsprachigen Generalversammlung eine Resolution mit konkreten Schritten für den Nah-Ost-Konflikt um den Gazastreifen durchgebracht zu haben. Das Ringen um einen gemeinsamen Weg in die Zukunft ist eine Leidenschaft von mir, denn neben der mühsamen Arbeit macht es mir auch Freude, mich mit anderen Menschen auszutauschen und im Wettstreit der Ideen neue Perspektiven kennen zu lernen.
[Der Ausbilder] [Der Autor] [Der Delegierte] [Der Finanzreferent] [Der Mediator]
[Der Moderator] [Der Pfadfinder] [Der Praktikant] [Der Prediger] [Der Redakteur]
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