"Aber am wichtigsten ist die Verkündigung"
6. Tagung der 46. Synode - Herbstsynode 2004
„Das wichtigste ist die Verkündigung. Dazu brauchen wir Leute, dazu brauchen wir Räume und das kostet auch Geld – aber am wichtigsten ist die Verkündigung.“ Hierin sah Weihbischof H. Timmerevers auch Vechta in seinem Grußwort an die 6. Tagung der 46. Synode einen der Punkte, den die röm.-kath. Kirche und die ev.-luth. Kirche in Oldenburg gemeinsam haben. Somit stand die Herbstsynode vom 25./26.11.2004 nicht nur wie im Herbst üblich wieder im Zeichen des Haushaltsgesetzes für das kommende Haushaltsjahr sondern auch im Schatten Zeiten knapper Kassen. Der Premierenbesuch aus Vechta verlor sich jedoch gerade eben nicht darin, über fehlendes Geld zu jammern, sondern schnitt kurz alternative Optionen wie die stärkere Förderung des Ehrenamtes und neue Formen der Katechese, die zum Glauben einladen sollen, an und brachte einen seiner Thesen mit einem Zitat des evangelischen Bischofs aus Erlangen auf den Punkt: „Der deutschen Kirche fehlt es nicht an Geld, auch nicht an Menschen, sondern an Überzeugung, auch heute noch andere Menschen für das Evangelium zu gewinnen.“ Was soviel bedeutet, dass sich alle Sorgen und Nöte um die Kirchenhaushaltskassen auflösen würden, wenn wieder mehr Menschen zu Gott und der Kirche eingeladen und gewonnen werden würden.
Mit aufbauenden Worten im Hinterkopf ging es dann unter dem Tagesordnungspunkt 12 „zur Sache“: Das Haushaltsplan für 2005.
Über 100 Seiten Zahlen und noch etliche Seiten Anhang, das ließ Schlimmes befürchten und machte uns die Einarbeitung wahrlich nicht einfach. Umso überraschender war dann die Geschwindigkeit, mit der der Haushaltsplan auf der Synode verabschiedet wurde. Nach Einbringung und kurzer Einführung durch Oberkirchenrat Schrader empfiehlt der Vorsitzende des Finanzausschusses, Pfarrer Rossow, der Synode, den Entwurf anzunehmen. Der Haushaltsplan wurde nach 1. Lesung beschlossen, ohne dass eine Aussprache zu den Einzelplänen oder zur Überschrift gewünscht wurde.
Daran wird unserer Meinung nach zum einen deutlich, dass der Haushaltsplan ordentlich erarbeitet wurde, zum anderen ist aber auch schlicht kein Geld übrig, über dessen Verwendung hätte gestritten werden können. Aber um es mit den Worten eines Präsidiumsmitgliedes auszudrücken: „Wenn man Ansprüche herunterschrauben muss, dann ist das noch keine Sinnflut.“
Ein weiterer Schwerpunkt der Herbstsynode war der Bericht der Steuerungsgruppe, die im Frühjahr als Reaktion auf das Perspektivpapier gegründet wurde. Dieser Bericht enthielt viele Vorüberlegungen zur Umstrukturierung, wie etwa Pfarrstellenreduzierung und Regionalisierung. Diese hier darzustellen würde den Rahmen des Geistesblitzes sprengen, aber einige Punkte sollten kurz aufgegriffen werden: so soll die Anzahl der Pfarrstellen von 200 auf 160 gesenkt werden (minus 40 Pfarrstellen), was aber zu einem Teil (nämlich 16 Stellen) durch die Verrentung bis 2010 von allein geschieht. Damit fällt die Reduzierung stärker aus, als in dem im Herbst 2003 vorgelegten Papier „Perspektive Pfarramt 2010“. Im Bericht des Ausschusses für Gemeindedienst und Seelsorge wurde sogleich festgestellt, dass von Seiten des OKR keine Veränderung des Kriterienkataloges für die Pfarrstellenbewertung erfolgt ist, was daraufhin zu einer kurzen Diskussion im Plenum führte. Denn bereits 1997 soll in der Synode festgestellt worden sein, dass der Kriterienkatalog nicht zu Frieden stellend sei, und so wurde trotz einer Wortmeldung, dass Zahlen das Gift gegen das Evangelium seien, die neue Pfarrstellenbewertung (Stand 25. Nov ´04) diskutiert. Der Kriterienkatalog wird sicherlich noch ein diskutables Thema bleiben, wenn man am Beispiel eines ländlich geprägten Kirchenkreises wie Butjadingen sieht, dann mehr als ¾ aller Stellen als 0,5 oder 0,75 – Stelle bewertet wurden – oder man wird sich in Zukunft vom herkömmlichen Bild einer Kirche der breiten Präsens, wie es noch im „grünes Papier“ der letzten Synode behandelt wurde, alternativ verabschieden müssen. Und so wurde auch in der Synode argumentiert, dass eine Einsparung von 30-40% der Pfarrstellen nicht nur eine Frage von Finanzen, sondern auch eine Frage von Strukturen ist.
Des weiteren soll der Oberkirchenrat in eine integrative Kirchenleitung umstrukturiert und die Anzahl der Kirchenkreise auf die Möglichkeit der Reduzierung geprüft werden. Die Kirche soll dabei jedoch so ausgerichtet werden, dass sie der Gestalt nach dem Auftrag der Botschaft (noch) gerecht wird, denn ein „...Umbau [ist] kein Spiel mit Käsekästchen...“.
Am zweiten Tag der Synode ging es hauptsächlich um die „Dekade zur Überwindung der Gewalt“. Zur Einführung in die Thematik gab es zwei Referate. Dr. Fernando Enns referierte über die Standortbestimmung im Kontext neuer globaler Herausforderungen und skizzierte dabei auch kurz die Historie und den bisherigen Verlauf der Dekade, die in ihrer Eigendynamik sich mittlerweile zu einem weltweiten Zeugnis der Hoffnung entwickelt hat. Zu den Projekten gehören u.a. auch die Schulprojekte „Schritte gegen Tritte“ (Braunschweig) und „Faustlos“ (Heidelberg), von denen der ein oder andere (hoffentlich) schon einmal etwas gehört hat. Zu den globalen Herausforderungen gehört auch die Vermittlung, dass das Christentum nicht gleich der Westen und nicht gleich die Bush-Regierung von Amerika ist. Viele Amerikaner folgen dem dualistischen Weltbild, das die Bush-Regierung malt, und dadurch würde auch einer christlicher Fundamentalismus gefördert werden. Dass daraufhin ein Synodaler, seines Zeichens auch noch Oberstudiendirektor, mit einem halslauten Zwischenruf alle „so genannten wiedergeborene Christen“ über einen Kamm zu, ließ einen schon zugleich ärgerlich als auch erschrocken zu denken geben. Nicht nur, weil sich also auch Oldenburger Synodale einer dualistischen Sicht der Dinge bedienen, obwohl sie sie eigentlich kritisieren wollen, sondern auch weil man offensichtlich ebenso die Bedeutung neutestamentlicher Aussagen verdrängt hat wie auch den Gegebenheit, dass wir doch hoffentlich alle Wiedergeborene = Getaufte sind!
Dr. Enns brachte seine Thesen auch damit auf den Punkt, dass der „Dialog der Religionen [und offensichtlich auch der Konfessionen und Denominationen] nicht nur [ein] akademisches Glasperlenspiel [sein sollte], sondern [auch] gelebte Praxis in den Gemeinden.“
Für weitere Hintergrundinformationen hat er uns auf seinem Handout die Webadresse www.wcc-coe.org/dov angegeben.
Die Überschrift des zweiten Referates zum Einstieg von Oberkirchenrat Grobleben lautete: „Lagebeschreibung: Zum Stand der Dekade in Oldenburg und Niedersachsen“. Neben einigen konkreten Beispielen wie der Brötchentütenaktion zur gewaltfreien Kindererziehung befasste sich Grobleben vor allem auch mit der Stellungsnahme – oder eben Nicht-Stellungnahme – der Kirche gegenüber der deutschen „Verteidigungspolitik“. Für den nebenamtlichen evang. Militärbischof offenbar überraschend kamen auf diese Weise so manche kritischen Thesen gegen die bundesdeutschen verteidigungspolitischen Richtlinien zur Sprache, die sich u.a. auch gegen die Maßgabe von Bundesminister Struck wandten, Deutschland werde auch am Hindukusch verteidigt. Durch einen geschickten ersten Wortbeitrag in der Aussprache konnte zwar konnte zwar eine Diskussion um internationale Sicherheitspolitik umschifft werden, dennoch fragten mehrere kritische Stimmen in der Aussprache an, ob eine solche Reflexion der Bundespolitik nicht über den Rahmen der Dekade in Oldenburg hinaus schossen habe. Aber vielleicht ist es gar nicht mal so verkehrt, sich neben Brötchentüten auch mal fragen zu lassen, wie es denn mit der kritischen Reflexion von Seiten der Kirche aussieht. Vielleicht ist auch dieses einer von vielen Anknüpfungspunkten, an denen sich zeigt, dass vor allem die evangelischen Landeskirchen wegen ihres Schweigens oder ihren häufig unkonkreten und zum Teilen widersprüchlichen Stellungsnahmen offensichtlich ihre Glaubwürdigkeit verlieren und auf diese Weise auch die eingangserwähnte frohe Botschaft mit ins Licht der Bedeutungslosigkeit hinabziehen (jedenfalls wenn man so manchen Statistiken glauben schenkt). Aber ob – wie so häufig gefordert - und in welchem Rahmen die Kirche/n „politischer“ werden sollen, dürfen und können muss sicherlich ebenso selbstkritisch durchleuchtet werden wie eine „Verteidigungspolitische Richtlinie“, die den Umbau der Bundeswehr zu einer „Interventionsarmee“ umschreibe. Sicherlich kann man nicht nur die Finger „nach oben“ Richtung Bundestag oder Weltsicherheitsrat strecken, denn Frieden beginnt schon in den kleinen Schritten im konkreten Umgang mit unseren Mitmenschen – aber das heißt wiederum auch nicht, dass sich ein „kleines“ kirchenpolitisches Island wie Oldenburg nicht auch einmal mit den Dingen der „großen weiten“ Welt befassen darf und sollte.
Nach der Einführung in die Thematik ging es für die Synodalen (und auch die Gäste) in Arbeitsgruppen, die sich mit Gewaltprävention in verschiedenen Lebensbereichen – und auch wieder ganz lokal im Oldenburger Land - auseinandersetzen sollten: z.B. in den Lebensbereichen der Schule, Jugend, Zusammenleben der Geschlechter, Medienwelt oder Arbeitswelt... In diesen Arbeitsgruppen wurde dann angeregt diskutiert und gemeinsam überlegt. Nach einer (sehr) kurzen Präsentation der Ergebnisse war die Herbstsynode 2004 dann auch schon wieder vorbei und die Leitsätze der Arbeitsgruppen wurden diesmal zumindest auch mit Protokoll an alle Synodalen versandt. Einer dieser Leitsätze aus dem Lebensbereich „Eine Welt“ lautet wie folgt: „Unser Anspruch an kirchliches Handeln ist es, die Einheit im Leiden aller Menschen wahrzunehmen, Solidarität mit Opfern von Gewalt zu üben, dieses Thema in der Öffentlichkeit zu vertreten und, um ein Beispiel zu setzen, fair gehandelte Produkte in den Kirchengemeinden zu verwenden.“ Ob sich dieser Leitsatz auch auf Ahlhorn bezieht, werden wir ja vielleicht sehen, wenn das Mittagessen auf der nächsten Ahlhorntagung serviert wird.
So viel von der „Beobachtung“ der Synode - Frank Jaeger und Stefan Bölts
